| Fajin (www.taichi-berlin.net) | |
In diesem Artikel möchte ich nur wenige Ausführungen machen. Für ehrliche Interessenten stehen die Türen jederzeit für den Besuch meiner Seminare offen. Bei nachgewiesenem wissenschaftlichem Interesse kann ebenfalls weitere Unterstützung gegeben werden. (Mirco Berwing, www.taichi-berlin.net) Was ist Fajin? „fa“ bedeutet soviel wie: starten, schießen, initiieren, ausdrücken, abfeuern, auslösen ... und „jing“ steht für: Kraft. fajìn wird meist als freigesetzte/ genutzte innere Energie (Qi) bezeichnet. Im Internet findet man nicht viel, oder nur Andeutungen darüber, viele heben das fajìn eher auf eine mentale Ebene und mystifizieren es. Fajìn zu verstehen und zu benutzen ist nichts geheimnisvolles, bedarf aber eines gewissen Weges und an gewisser Erfahrung, um damit arbeiten zu können. Man kann sich dem fajìn über
Voraussetzung für fajìn ist u.a. ein fester Stand und ein lockerer Körper. Verspannte Muskeln sind meist das erste Hindernis für schnelle, lockere Bewegungen. Eine bestimmte Art von Muskelkontraktion löst eine Stoßwelle aus, die sich über die Gelenke des Körpers fortsetzt bis zum Ziel. Hier liegt auch die Gefahr der eigenen Gelenk- und Muskelverletzung bei falscher Ausführung, da hier große Kräfte wirken. Manchmal kann man lesen, dass fajin ohne Muskelkraft ausgeführt wird- wie soll das gehen? Die Muskelkraft wird sehr wohl zur und in der richtigen Zeit in der richtigen Dosierung eingesetzt. Es sind viele Komponenten während einer fajin – Bewegung, die den Körper wie ein präzises Uhrwerk arbeiten lassen. Eine kleine Unstimmigkeit und es entstehen Kraftverluste. Entstehung der Kraft Physikalisch betrachtet, ohne an dieser Stelle näher darauf ein zu gehen, sind für uns folgende Gleichungen interessant: E = ½*m*v² (Kinetische Energie) p = m*v (Impuls) Diese sagen uns, wenn Masse und Geschwindigkeit gegeben sind, steht neben der kinetischen Energie auch der Impuls fest. Interessant ist hier, dass eine Verdoppelung der Geschwindigkeit eine Vervierfachung und eine Verdoppelung der Masse nur eine Verdoppelung der Schlagkraft bewirkt. Das Prinzip des fajin besteht im wesentlichen aus der effektiven Zusammenarbeit von Muskelketten. Das ist erst mal nichts besonderes. Muskelketten arbeiten in unserem Körper auch im alltäglichen Leben. Beim Heben eines schweren Gegenstandes z.B. soll man in die Knie gehen, anstatt die Wirbelsäule zu krümmen. Hier erzeugt die meiste Hebekraft nicht „der Rücken“, sondern die Streckung der Beine. Das Besondere beim fajin ist, dass die Muskelkette ihre Energie impulsartig, durch ein bestimmtes Zusammenwirken der beteiligten Muskeln, zum Ziel befördern.
In obiger Abbildung liegen 4 Muskeln in einer Muskelkette (also hintereinander geschaltet). Die Summe der Einzelgeschwindigkeiten der Muskeln ergeben eine Gesamtgeschwindigkeit, dass heißt, sie addieren sich. Die Bewegung beginnt bei Muskel 1, der für Muskel 2 schon eine Anfangsgeschwindigkeit vorgibt. Diese wird von diesem schon übernommen und durch eigene Energie noch verstärkt usw. bis Muskel 4, also der Endpunkt, erreicht ist. Beim fajin wirken natürlich wesentlich mehr Muskelgruppen, theoretisch beginnend ab Kontaktfläche mit dem festen Untergrund, also den Fußsohlen, bis hin zur Kontaktfläche mit dem Ziel. Der Unterschied zu einer „alltäglich“ arbeiteten Muskelkette liegt darin, dass sie im Augenblick des auftreffens nicht komplett angespannt sein muss. Es reicht aus, wenn das Ende der Kette steht, um die erzeugte Kraft möglichst ohne Verluste zu übertragen und sich nicht zu verletzen. Wenn sich die Geschwindigkeiten aus obigem Beispiel addieren, so kann die zu erzeugende Kraft durch den schwächsten Muskel in der Kette abgeschwächt werden. Das bedeutet, dass man fajin durch gezieltes Training verbessern kann, indem man sich um die schwächsten Glieder in der Kette kümmert. Des Weiteren ist die intermuskuläre Koordination eines der wichtigsten Kriterien für die effektive Ausführung und Ökonomie des fajin, nicht zuletzt das Zusammenspiel von agonistischen und antagonistischen Muskeln. Foto oben: © Shane Degeus - Fotolia.com |